Baikal, wir werden dich beschutzen

Resolution
der Teilnehmer der Kundgebung und Demonstration
zum Schutz des Baikalsees
Irkutsk, den 18. Marz 2006

Wir, die Teilnehmer der Kundgebung und Demonstration sind gegen das positive Umweltgutachten aus Moskau, welches das Projekt der Olpipeline „Ostsibirien – Pazifik“ zulasst. Darin wird eine Pipeline geplant, die streckenweise nur wenige hundert Meter vom Ufer des Baikals entfernt verlaufen soll.

Durch Manipulation und offenkundigen administrativen Druck auf einzelne Mitglieder der aus Experten bestehenden Kommission, gelang es „Rostechnadsor“, die zustandige Aufsichtsbehorde fur Umwelt, Technik und Atomanlagen unter der Leitung von Konstantin Pulikowski, das positive Umweltgutachten durchzubringen. Dieses ist notwendig, um das geplante Projekt des russischen Olkonzerns „Transneft“ durchzufuhren. Die Interessen dieser eng zusammenarbeitenden Institutionen scheinen gro?er zu sein als die der Nation.

Im Grunde genommen gefahrdet dieser Beschluss die Erhaltung der heutigen und der zukunftigen Generationen des Baikalsees, der majestatischste See der Erde und bezeichnendes Symbol Sibiriens.

Wir sind uberzeugt davon, dass auf Grund der hohen seismographischen Aktivitaten in der Baikalregion schwere Unfalle nicht zu vermeiden sein werden. Die Olpipeline wurde 130 Flusse und Bache, welche in den Baikal munden, kreuzen und somit sein einzigartiges Okosystem zerstoren. Jegliche Zusicherungen der Technokraten, dass das Ol nicht in den Baikal geraten wird, sind nicht stichhaltig und widersprechen den weltweit existierenden technischen Standards, welche die Sicherheit beim Betreiben einer Pipeline gewahrleisten sollen.

Wir, die Bewohner von Pribaikalie, haben von den bitteren Erfahrungen der Inbetriebnahme des Papier- und Zellulosekombinats am Baikal gelernt und kennen den Preis solcher Zusicherungen von „sicherer“ und „sauberer“ Herstellung, die uns von so genannten Wissenschaftlern gegeben wurden. Die generelle Betreibung dieser Pipelines, wozu auch die des Konzerns Transneft gehoren, zeigt, dass es selbst bei unter gunstigeren Voraussetzungen gebauten Pipelines monatlich zu Unfallen kommt, deren Konsequenzen noch Jahrzehnte danach spurbar sind.

Dieser Beschluss spricht gegen den gesunden Menschenverstand und gegen Russlands Verpflichtungen gegenuber der Menschheit. Diese Verpflichtungen gehen aus der Konvention zum Schutz des Weltnatur- und Weltkulturerbes hervor. Der Beschluss konnte dazu fuhren, dass dem Baikalsee der Status des Weltnaturerbes entzogen wird, was eine Schande fur Russland ware.

Wir werden nicht zulassen, dass dieses einzigartige und strategisch gunstige Reservoir mit einem Trinkwasservorrat fur Russland und die Welt Katastrophen ausgesetzt wird, die von Beschadigungen der Olpipeline herruhren. Diese Unfalle konnten durch Herstellungsfehler, illegale Abzapfungen, Terrorakte, naturliche Kataklysmen oder andere unvorhersehbare Umstande entstehen.

Die Verfassung der Russischen Foderation besagt, dass der Eigentumer uber Besitz, Gebrauch und Verfugung von Naturgutern bestimmt, sofern dies keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt hat. Daruber hinaus hat jeder von uns das Recht auf eine intakte und saubere Umwelt. Aus diesem Grunde sind wir gegen die Verletzung unserer Grundrechte und Garantien.

Wir fordern die Unterstutzung des negativ ausgefallenen Umweltgutachtens der Experten aus Moskau ( The State Environmental Impact Assessment) vom 24. Januar 2006, welches besagt, dass ihrer Meinung nach der Bau einer „Transneft“ – Pipeline im Gebiet des Baikalsees unzulassig sei.

Zieht man in Betracht, dass der Baikalsee den Status eines Weltkulturerbes hat, rufen wir die Burger Russlands und die gesamte Menschheit dazu auf, sich gegenuber der Bedrohung nicht gleichgultig zu verhalten, welche uber dem Heiligen Sibirischen Meer hangt. Sie sollen ihren Protest gegen den Bau einer Olpipeline in unmittelbarer Nahe zum Baikalsee mit allen ihnen zur Verfugung stehenden Mitteln ausdrucken.

Wir richten uns an die UNESCO, an den G8 - Gipfel in St. Petersburg und an Internationale Naturschutzorganisationen mit dem Aufruf, koordinierte und entscheidende Ma?nahmen zu treffen, die den Schutz eines Weltkulturerbes sicherstellen, den Schutz des Baikalsees!

Wir fordern vom Prasidenten der Russischen Foderation V.V. Putin als Garant zur Gewahrleistung der Russischen Verfassung, den Bau einer Olpipeline durch das einzigartige Gebiet des Baikalsees zu verbieten.

Es folgen die Unterschriften von den LeiternInnen der Organisationen, welche an der Kundgebung teilnahmen:

M. P. Richwanowa
Co-Vorsitzende
NGO „Baikal Environmental Wave“
P.O. Box 21, Irkutsk-33, 664033

V.A. Lukin
Stellvertretender Vorsitzender
Irkutsk Oblast Association of Trade Unions
22 Karl Marx St., P.O. Box 1067, Irkutsk

A.I. Zilinski
Leiter
Irkutsk City Youth Organisation – „Centre for Spiritual and Physical Development – Baikal – Eco“
16 Ckalova St., Irkutsk, 664001

O.V. Saidova
Sekretarin
Irkutsk Regional Branch, Union of Communist Youth
20 Rossiskaja St., Irkutsk, 664025

E.S. Schemetova
Leiterin der Pioniergruppe “Small Sparks”
Irkutsk Oblast Pioneer Organisation
20-2 Rossiskaja St., Irkutsk, 664025

V.A. Nejupokoev
Vorstandssekretar, Irkutsk City Branch, CPRF
20, Office 4, Rossiskaja St., Irkutsk, 664025

R.S. Shadrina
Irkutsk Oblast Frauenbewegung NGO “Hope of Russia”
20-4 Rossiskaja St., Irkutsk, 664025

M.E. Kulechov
Koordinator
Irkutsk Oblast NGO „Oblast Alternative for Siberia“

V.P. Kulisch
Redakteur
Verlagsvorstand der Zeitung „Semlja“
Umweltschutzrechte NGO „Earth – New Order“

N.I. Nimerzitskaja
Pressesprecher
Humanitare Hilfseinrichtung “Baikal, Third Millenium”
6 Lenin St., Irkutsk

V.A. Kusnetsov
Leiter
Association of Minority Indigenous Peoples of Irkutsk Oblast
P.O. Box 21, Irkutsk, 664033

L.P. Stavrov
Mitglied des Vorstands
Irkutsk Oblast NGO “Free Citizen’s Club”
1 Matrosova St., Usolje – Sibirskoje, Irkutsk Oblast

V.S. Prosekina
Theaterregisseurin
Mitwirkende des Theater – Studios “Dialogue”
1 Kostuchva St., Irkutsk

V.N. Moloznikov
RGS Experte
Irkutsker Zweig der „Russian Geographical Society“
59 Timerjazova St., Irkutsk